Christiane Herzog Preis für Mukoviszidose-Forschung

Forschungsförderung gehört zu den Kernaufgaben unserer Stiftung. Mit den Betroffenen, ihren Familien und Therapeuten hoffen wir darauf, dass neue Erkenntnisse in der Grundlagen- ebenso wie in der klinischen Forschung dazu beitragen, noch besser noch länger mit Mukoviszidose leben zu können. Das große Ziel bleibt, die Mukoviszidose eines Tages erfolgreich ursächlich – also am verantwortlichen Gendefekt – behandeln zu können. Die Hoffnungen und Erwartungen sind also groß – und klein sind in der Regel die Forschungsbudgets für Mukoviszidose. Dank einer großzügigen Zustiftung war es der Christiane Herzog Stiftung möglich, einen eigenen Preis zur wissenschaftlichen Nachwuchsförderung ins Leben zu rufen. Der Preis wird jährlich vergeben; mit 50.000 € Preisgeld gehört er zu den bestdotierten Nachwuchsforscher-Preisen in Deutschland. Ausgeschrieben wird er mit Unterstützung des Mukoviszidose e.V.  Begutachtet werden die Bewerbungen durch den Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Burkhard Tümmler, Hannover,  und Prof. Dr. Thomas O.F. Wagner, Frankfurt a.M.

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Prof. Dr. Tümmler

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Prof. Dr. Wagner

 

 

 

 

 

Der Wissenschaftliche Beirat zieht dabei auch immer wieder weiteren nationalen und internationalen Sachverstand hinzu. Der Vorstand der Christiane Herzog Stiftung trifft ausgehend von den Empfehlungen des Beirats die Entscheidung über den Preisträger.

Die Ausschreibungsunterlagen sind jeweils im Frühjahr hier abrufbar. Der Preis wird im Spätherbst jeden Jahres verliehen.

Aktuelle Preisträgerin

Dr. Claudia Brandt

2016 hat Dr. Claudia Brandt die Jury überzeugt: Die Biologin arbeitet in der Sektion Cystische Fibrose der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Mit dem Preisgeld  wird die Berliner Forscherin unter der klinischen Leitung von Dr. Carsten Schwarz das Thema “Epidemiologie, Pathophysiologie, Risikofaktoren und Therapie der Arthropathie bei Cystischer Fibrose“ bearbeiten.

Preisträgerin 2016 dr. Barndt mit dem Stiftungsvorstand

Preisträgerin 2016 Dr. Brandt mit dem Stiftungsvorstand

Das Forschungsthema hat sehr hohe klinische Bedeutung, da bei fast 40% aller Patienten mit Mukoviszidose (CF) Gelenkbeschwerden auftreten können. Mukoviszidose-Ärzte beobachten diese Gelenkbeschwerden sehr häufig in Verbindung mit Infektionen der Atemwege . Aber auch unabhängig von akuten Infektionen können die Gelenkbeschwerden bei Patienten mit Mukoviszidose auftreten. Folge davon sind häufig  Bewegungseinschränkungen, die neben den Schmerzen stark die Lebensqualität beeinträchtigen. Klar definierte Therapieleitlinien existieren für diese Beschwerden bis heute leider nicht und führen im klinischen Alltag zu einem individuellen Ausprobieren von anti-entzündlichen Medikamenten, die zugleich die Schmerzen lindern. Diese anti-entzündlichen Medikamente haben bei langer Anwendung aber auch ihrerseits Nebenwirkungen. Mit der Erforschung der Gelenkbeschwerden erhofft sich die Arbeitsgruppe der Charité um Frau Dr. Brandt deren Ursache zu verstehen, um dann gezielte präventive Maßnahmen und gezielte Therapien empfehlen zu können. Bislang fehlen  relevante klinische Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet jedoch komplett. Mit dem Ziel diese Forschungslücke schrittweise zu schließen, sollen möglichst viele Patienten aus Berlin und Brandenburg in die Studie eingeschlossen werden. Die ersten Studienergebnisse werden für 2018 erwartet.

 

Frühere Preisträger

Dr. Petra Bacher

Über die Auszeichnung mit dem  7. Christiane Herzog Forschungspreis kann sich Dr. Petra Bacher freuen. Die Biologin forscht an der Berliner Charité über Pilzinfektionen bei Mukoviszidose-Betroffenen.

Dr. Petra Bacher Foto:Tobias Müller

Dr. Petra Bacher
Foto:Tobias Müller

Für ihr Projekt hat sie rund 100 Mukoviszidose-Betroffene untersucht, um festzustellen, wie deren Immunsystem auf bestimmte Pilze reagiert – wann eine gefährliche Infektion auftritt und in welchen Fällen es bei einer „unauffälligen“ Besiedlung bleibt.
Mit dem Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro soll in den nächsten zwei Jahren die Forschung von Frau Dr. Bacher von Pilzen auf Bakterien wie dem gerade bei Mukoviszidose häufigen Keim Pseudomonas aeruginosa ausgeweitet werden. Je mehr Erkenntnisse es über immunologische Antworten auf Infektionen gibt, desto effektiver kann Gegenwehr ergriffen werden gegen Pilze und Keime. Und im Kampf für ein längeres und besseres Leben mit Mukoviszidose ist das von großer Bedeutung.

2014: Dr. Mark Oliver Wielpütz

Die Verleihung des Preises 2014 macht besonders Eltern kleiner Muko-Kinder Mut. Diesmal erhielt Dr. Mark Oliver Wielpütz aus Heidelberg den begehrten Preis. Er arbeitet als Leiter der Juniorgruppe Strukturelle und Funktionelle Bildgebung der Atemwege in der Abteilung Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Heidelberg.  Der junge Wissenschaftler forscht in Heidelberg daran, ein neues schonendes Verfahren der Magnetresonanztomographie (MRT) erstmals bei Säuglingen und Kleinkindern mit Mukoviszidose anzuwenden. Ziel seiner Studie ist es, ohne belastende Röntgenstrahlen und Kontrastmittel den Verlauf der Krankheit über zwei Jahre engmaschig zu überwachen. So können bereits in einem frühen Stadium Veränderungen der Lunge erkannt werden. Diese frühen Erkenntnisse ermöglichen eine individuelle Behandlung der kleinen Muko-Patienten. Wielpütz: “Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Lungenerkrankung bei einigen Patienten bereits im ersten Lebensjahr mit der Entstehung von Schleimpfropfen und Durchblutungsstörungen der Lunge beginnt und dass diese Veränderungen noch reversibel sind, während bei älteren Kindern bereits irreversible Veränderungen der Atemwege sichtbar werden”.

Lange konnten Ärzte Krankheitsverlauf und Therapieerfolg bei Muko-Patienten nur mit der Computertomographie (CT) oder Lungenspiegelung unter Vollnarkose feststellen. Gerade das CT war mit einer hohen Strahlenbelastung verbunden. Wie wichtig die frühzeitige und individuelle Therapie bei Mukoviszidose ist, wissen Eltern und erwachsene Patienten aus eigener Erfahrung. Denn dies schenkt Zeit: Zeit für ein längeres und besseres Leben mit Mukoviszidose. Dafür setzt sich die Christiane Herzog Stiftung ein und dem dient auch der Forschungspreis.

2013: Dr. Andreas Hector 

Der 5. Christiane Herzog Preis ging im Jahr 2013 an Herrn Dr. Andreas Hector aus Tübingen. Herr Dr. Hector wird die Auswirkungen von Pilzinfektionen bei Patienten mit Cystischer Fibrose systematisch untersuchen. Denn es gibt Grund zu der Annahme, dass ein Pilzbefall die Lungenfunktion verschlechtert. Auch könnte es einen Zusammenhang mit der Einnahme inhalativer Antibiotika – wie Mukoviszidose-Betroffene sie vielfach nehmen müssen – geben. „Mit der Förderung durch den Christiane Herzog Preis werden wir in den nächsten zwei Jahren in Kooperation mit verschiedenen CF-Zentren aus Deutschland und Österreich eine Patienten-Biobank erstellen, in der klinische Verlaufsdaten von nahezu 1000 Patienten gesammelt werden sollen. Eine solche länderübergreifende Kooperation ist gerade bei einer seltenen Erkrankung wie Mukoviszidose enorm wichtig und deswegen sind wir für die Förderung unserer Forschungsplattform so dankbar“, so Dr. Hector.

Anhand der dort gesammelten Daten soll nach Zusammenhängen zwischen Infektionen mit Pilzen und klinischen Parametern gesucht werden. Nach Abschluss der Auswertung soll eine Empfehlung möglich sein, wann eine Behandlung von Pilzen angezeigt ist.

Preisverleihung

2012: Dr. Anna Maria Dittrich
In diesem Jahr konnte sich Dr. Anna Maria Dittrich von der Medizinischen Hochschule Hannover freuen: Sie erhielt für ihre Forschung über entzündungshemmende Substanzen für die Mukoviszidose-Therapie die renommierte Auszeichnung. Frau Dr. Dittrichs Forschungsarbeit zielt darauf zu identifizieren, welche Substanzen eine wirksame anti-entzündliche Therapie bei Mukoviszidose ermöglichen könnten. Dazu untersucht sie in Modellversuchen, ob Wirkstoffe, die für andere Erkrankungen wie COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) oder Rheuma bereits effektvoll eingesetzt werden, auch in der medikamentösen Behandlung der überschießenden entzündlichen Immunreaktion im Zusammenhang mit Mukoviszidose eine Rolle spielen könnten.
Das Ziel, eine bei Mukoviszidose wirksame anti-entzündliche Substanz zu finden, ist angesichts der Bedrohung, die wiederkehrende Entzündungsprozesse in den Atemwegen gerade für die Mukoviszidose-Betroffenen bedeuten, außerordentlich bedeutsam.
“Im Moment gibt es nur wenige Medikamente, durch die wir die Entzündung der Atemwege bei Mukoviszidose verringern können. Dabei ist es ja gerade die fortschreitende Entzündung, die den Krankheitsverlauf maßgeblich beeinflusst. Ich möchte mit meiner Forschung dazu beitragen, effiziente anti-entzündliche Medikamente zu finden. Der Christiane-Herzog-Preis ermöglicht mir erste Schritte in diese Richtung. Dafür bin ich sehr dankbar” – sagt Dr. Anna Maria Dittrich.

2011: Dr. Nina Cramer
Die Biochemikerin Dr. Nina Cramer von der Medizinischen Hochschule Hannover war 2011 Trägerin des Christiane Herzog Preises. Ausgezeichnet wurde ihre Forschung am Keim „Pseudomonas aeruginosa“.
Frau Dr. Cramer geht es darum zu verstehen, warum der für Mukoviszidose-Betroffene besonders problematische Pseudomonas-Keim so widerstandsfähig ist und wie er sich im Laufe der Besiedlung an die Lunge anpasst.
Pseudomonas ist ein wasserliebendes Bakterium, für das der zähe Schleim in den Atemwegen Mukoviszidose-Betroffener ein idealer Nährboden ist. Die Folge einer Besiedlung mit Pseudomonas sind chronische Infektionen, die das Lungengewebe massiv zu schädigen vermögen. Deshalb muss die chronische Pseudomonasinfektion regelmäßig und konsequent behandelt werden, um Gewichtsabnahme, Verschlechterung der Lungenfunktion und Minderung der körperlichen Belastbarkeit zu verhindern. Diese
Behandlung aber wird umso schwerer, je erfolgreicher der Keim sich an seine Umgebung anzupassen vermag.

Frau Dr. Cramer hat anhand von Bakteriensammlungen in Hannover und im internationalen Austausch mit anderen Mukoviszidose-Forschern untersucht, wann und wie im Verlaufe einer Infektion sich das Bakterium so an seinen „Wirt“ – den Mukoviszidose-Kranken – anpasst, dass er nur noch schwer zu beseitigen ist. Außerdem erforscht sie, ob es einen Zusammenhang zwischen dieser Anpassung und den Schweregrad des Krankheitsverlaufs gibt
„Durch diesen Preis ist es uns möglich, erstmals den genauen Anpassungsprozess von Pseudomonas aeruginosa an die Mukoviszidose-Lunge zu verstehen und somit vielleicht neue Angriffspunkte für eine erfolgreiche Therapie gegen diesen pathogenen Keim zu finden”, fasst Frau Dr. Cramer ihre im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnete Arbeit zusammen.

2010: Dr. Nikolai Klymiak
Den zweiten Christiane Herzog-Preis 2010 erhielt Dr. Nikolai Klymiuk aus München für seine Forschung an ei­nem wegweisenden Tier-Modell: Durch die genetische Übertragung von Mukoviszidose auf Schweine lassen sich Fragestellungen untersuchen, denen am menschlichen Patienten bislang nicht nachgegangen werden kann. Das trägt zum einen zum besseren Verständnis des Krankheitsverlaufs bei, bietet andererseits aber auch die Möglichkeit, neue Therapie- und Behandlungswege ausführlich zu testen, bevor sie in der klinischen Forschung erprobt werden.
Das Mukoviszidose-Schwein spiegelt das Bild der humanen Patienten weitgehend wider. Es wird bereits von mehreren Forschungsgruppen im europäischen Raum genutzt und an der LMU München weiter verfeinert, um der europäischen Mukoviszidose-Forschergemeinde langfristig ein Modell zur Verfügung zu stellen, das es erlaubt, die hochkomplexe Krankheit detailliert zu untersuchen.
Ohne die Anschubfinanzierung durch den Christiane-Herzog-Preis wäre das nicht möglich gewesen, so Dr. Klymiuk: „Die Entwicklung von Großtiermodellen ist zeitaufwendig und teuer – deshalb haben wir uns über das Vertrauen der Stiftung in unsere Arbeit besonders gefreut. Die Zuerkennung von Anschlussfinanzierungen und das breite Interesse, auf das unser Modell in Deutschland und ganz Europa stößt, zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.“

2009: Dr. Nico Derichs
Der erste Christiane Herzog-Preis 2009 wurde verliehen an Dr. Nico Derichs aus Hannover (heute Charité Berlin) für die Durchführung des Projektes “Präklinische “ex-vivo”-Testung neuer Wirkstoffe zur Korrektur des Basisdefektes bei Mukoviszidose”. Dr. Nico Derichs hatte dafür ein Modell entwickelt, das es ermöglicht, die – bei Mukoviszidose gestörte – Chloridkanalfunktion außerhalb des Körpers („ex vivo“) zu messen. Das Modell erleichtert es, neue pharmakologische Substanzen aus der „Forschungspipeline“ an menschlichem CF-Gewebe zu testen – ohne Risiko für den Patienten.